| Entstehung und Entwicklung der Eisenbahn und ihrer Anlagen |
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Großbritannien und die USA waren die Vorreiter im Eisenbahnbau. Hier wurden die ersten Schienenstrecken gebaut, so wie man sie bereits seit dem 16. Jahrhundert in Minen verwendet hatte. So wie dort wurden anfangs auch die oberirdischen Wagen von Pferden gezogen. Auf diese Weise wurden seit dem frühen 18. Jahrhundert Güter und später auch Personen transportiert. Die ersten Bahnhofsgebäude wurden folgerichtig den "Posthöfen" nachempfunden, die zur Zeit des Kutschentransports die gleichen Funktionen innegehabt hatten und sicher auch oft zu Bahnhöfen umgebaut und erweitert worden sind. Der Bahnhof übernahm vermutlich auch seinen Namen von ihnen. In den ersten fünfzig Jahren war der englische Eisenbahnbau richtungsweisend. Ganz allgemein lassen sich verschiedene Bahnhoftypen unterscheiden, die nach und nach entwickelt wurden: der Durchgangsbahnhof mit einem Empfangsgebäude in Seitenlage ist die häufigste Form, da sie bei allen Zwischenstationen und auch einigen Hauptstationen verwendet wurde. 1850 dann veröffentlichte der 1846 gegründete "Verein deutscher Eisenbahnverwaltungen" die "Grundzüge für die einheitliche Gestaltung der Eisenbahnen Deutschlands" : nach englischem Vorbild wurden die geplanten Bahnhöfe je nach dem zu erwartenden Verkehrsaufkommen in Haupt- und Zwischenstationen und Haltepunkte eingeteilt. Ein Problem bei Durchgangsbahnhöfen war von Anfang an, daß die Reisenden die Gleise irgendwie überqueren mußten, sobald die Züge nicht am Hausbahnsteig ankamen oder abfuhren. Bei gleich hoch gelegenen Empfangsgebäuden und Gleisen schuf man Personentunnel oder - jedoch seltener - Brücken, wobei man allerdings jeweils zwei Treppen nehmen mußte. Eine Möglichkeit bestand auch darin, entweder die Gleise oder das Empfangsgebäude höher zu legen, so daß die Fahrgäste nur einmal hinauf- oder hinabsteigen mußten. Bei kleineren und mittleren Empfangsgebäuden setzten sich jedoch die Personentunnel durch. Dies alles und die festgelegte Art und Anzahl der Räume ergaben bereits im groben den Grundriß des jeweiligen Empfangsgebäudes. So sollten Haltepunktgebäude nur mit Bahnwartszimmer, Warteraum, Fahrkartenschalter und Aborten ausgestattet sein, wobei der Warteraum den alleinigen Zugang zum Bahnsteig enthielt. Empfangsgebäude der Zwischenstationen sollten ein oder zwei Warteräume besitzen, Fahrkartenschalter und Gepäckaufgabe, ein Zimmer für den Bürodiener und eine Dienstwohnung im ersten Obergeschoß. Dazu gehörten außerdem noch zahlreiche weitere "Anlagen" wie die Zufahrtsstraße, der Vorplatz, die Bahnsteige oder Perrons, Verladeplätze, Wagen- und Lokremisen, eine Drehscheibe, Weichen usw. Bei allen Stationen achtete man besonders auf die Bequemlichkeit und Sicherheit der Reisenden und des Bahnpersonals und auf die möglichst schnelle Abwicklung der Betriebsarbeiten. Grundsätzlich sollten der Fahrkartenschalter und die Gepäckaufgabe leicht von den Wartezimmern aus zu finden sein. Direkte Zugänge von den Warteräumen und der Gepäckaufgabe zum Hausbahnsteig waren selbstverständlich. Während in den USA Schlafwagen bereits ab 1865 gebaut worden waren , setzte man diese auf dem europäischen Kontinent erst 1873 ein. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Züge nur tagsüber gefahren und nachts an Hauptstationen untergestellt worden. Deshalb hatte es ursprünglich auch immer Übernachtungsmöglichkeiten an großen Empfangsgebäuden gegeben; besonders in England gab es prächtige, sogenannte "Terminus hotels", die an die Empfangsgebäude angebaut waren. Nachdem Bismarcks Idee einer "Reichsbahn" mehrmals am Bundesrat gescheitert war, wurde die Verstaatlichung der preußischen Eisenbahnen beschlossen. 1878 wurde ein Eisenbahn-Ministerium eingeführt und bis etwa 1888 waren sämtliche Privatbahnen im Besitz des Staates. Die "Königlich Preußische Staatseisenbahn" war geboren. Ab 1. Oktober 1893 sorgte die Einführung von Bahnsteigsperren auf allen preußischen Staatsbahnen für weitere bauliche Veränderungen. An den Sperren wurden von nun an die Fahrkarten kontrolliert, ohne die man nur mit besonderen "Bahnsteigkarten" zu den Zügen gelangen konnte. Die Warteräume, die bisher Aufenthalts- und Durchgangsräume zugleich waren, sollten den Fahrgästen vorbehalten sein. Deshalb stellte man von nun an die Vorhalle als zentralen Raum in den Mittelpunkt, von dem aus man alle anderen Räume und die Bahnsteige erreichen konnte. Schutzdächer über den Bahnsteigen, wie sie heute überall üblich sind, gab es anfangs nur bei großen Bahnhöfen. Sogar die Dächer über den Hausbahnsteigen wurden meist erst spät angebracht. Diese Konstruktionen mit einer Reihe gußeiserner Säulen und auf Konsolen liegenden Dächern sind vielfach noch erhalten. Auf den übrigen Bahnsteigen errichtete man freistehende Bahnsteigdächer. |

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