| St. Ingbert (2. EG) |
Nachdem St. Ingbert 1867 mit Homburg durch eine Bahnlinie verbunden worden war, erfolgte 1877-79 der Anschluss an Saarbrücken . Dies war auch der Anlass zum Bau eines repräsentativeren Bahngebäudes, das fast genau auf der anderen Gleisseite entstand, so dass an der Schienenführung nichts geändert werden musste. Das Gebäude muss 1879 eröffnet worden sein, da aus diesem Jahr Ansichten des Vorgängerbaus erhalten sind, der darauf bereits als "altes Bahnhofsgebäude" bezeichnet wird.Leider sind auch hier keine Orginalgrundrisse mehr erhalten. Zwei jüngere Grundrisse zeigen bereits den östlichen Anbau. Bei dem ursprünglichen Gebäude handelte es sich um einen Rechteckbau mit Mittelrisalit zur Straße hin und einem zweiten Mittelrisalit an der östlichen Schmalseite, über dem sich ein Uhrturm erhob. Auf Plänen von 1908 ist der westliche Anbau bereits vorhanden. Er ist wahrscheinlich nicht ursprünglich, wurde aber auf jeden Fall irgendwann nach 1908 um das Doppelte erweitert. Der östliche Anbau wurde 1911 angefügt, um den Wartesaal der 3. Klasse darin unterzubringen. 1924 fand hier die Bahnhofsgaststätte Platz . 1911 wurde außerhalb des Gebäudes die Unterführung zu den Bahnsteigen angelegt, so dass die Fahrgäste heute ohne Umweg durch die Halle zu den Zügen gelangen können . Etwa zur selben Zeit wurde wahrscheinlich auch die Bahnsteigüberdachung mit den gusseisernen Säulen angebracht, die 1910 noch nicht vorhanden war. Der heutige Außenbau ist zumindest gegenüber dem von 1908 kaum verändert. Der Kernbau - ohne den Anbau im Westen - ist zweigeschossig und besitzt acht Achsen. Auf der Gleisseite ist die Achsengliederung 2-4-2, auf der Straßenseite 2-1-2-1-2, wobei die zwei mittleren die Eingänge innerhalb des vierachsigen Risalits bilden. Diese waren ursprünglich wie die übrigen Fenster des Erdgeschosses gestaltet, sind heute jedoch ganz verändert. In der östlichen Rücklage befindet sich eine zusätzlich eingeschobene kleinere Fensterachse, die nicht mitgezählt wurde. Im Osten befand sich anfangs das zurückspringende, fensterlose Untergeschoss des Turmes, das heute von dem eingeschossigen Anbau verdeckt wird. Eine durchgehendes Gurtgesims leitet zum Obergeschoss über. Der um eine Achse vorspringende Risalit im Osten wiederholt die Formen des Hauptrisalits, wobei das 2. Obergeschoss nochmals vorspringt und auf wuchtigen Volutenkonsolen aufliegt. Die eingeschossigen Anbauten wiederholen, zum Teil vereinfacht, die Formen des Hauptbaus. Der vielleicht ursprüngliche Teil im Westen besitzt eine Art Attika, die das Pultdach verdeckt. Das Empfangsgebäude des St. Ingberter Bahnhofs ist von den hier besprochenen vielleicht das repräsentativste. Das mag mit dem nun endlich eintretenden wirtschaftlichen Aufschwung zusammenhängen, auf den die St. Ingberter wegen des lange hinausgezögerten Bahnanschlusses mit Saarbrücken lange hatten warten müssen. Auch durch die geografische Lage an der bayerisch-preußischen Grenze hatte St. Ingbert eine besonders repräsentative Funktion inne, denn offensichtlich wollte man einen bayerischen Gegenpol zu den repräsentativen preußischen Empfangsgebäuden schaffen - vielleicht auch ein Hinweis auf die Sonderstellung, die Bayern im Deutschen Reich einnahm. In St. Ingbert wählte man als Bautyp die schon besprochene Form des Renaissance/Barock-Schlosses , als Stil die italienisch geprägte Neurenaissance. Der Baumeister bevorzugte eine freie Nachahmung der Renaissanceformen: das gequaderte Erdgeschoss steht im Gegensatz zu dem verputzten Obergeschoss und erinnert so an die rustizierten Sockelgeschosse der Renaissance. Ein vergleichbares Empfangsgebäude ist der ebenfalls bayerische Ludwigsbahnhof in Fürth, der 1885-86 erbaut wurde. Es handelt sich hierbei um den gleichen Gebäudetypus, der sich jedoch in der Binnengestaltung vielleicht noch stärker an die Renaissance anlehnt. Auf der Gleisseite befinden sich im Erdgeschoss wieder die schon besprochenen Rundbogenöffnungen. In den Obergeschossen sind Fenster mit Segment- und Dreiecksgiebeln, die aus der Hochrenaissance stammen. Kräftig rustizierte Ecklisenen sind die einzigen vertikalen Elemente, während mehrere Gesimse und ein Rundbogenfries den Bau horizontal gliedern. Besonders interessant ist die Gestaltung der Schmalseite, die mit "Tempelfront-Aufsatz" und seitlichen Voluten Kirchenfassaden nachgebildet ist und die Bahnhofsuhr trägt. Die aufwendige Gestaltung einer Schmalseite ist selten und hat wohl den gleichen Grund wie in St. Ingbert: die Zufahrt erfolgte nur von dieser Seite aus. |

St. Ingbert (2. EG)
Nachdem St. Ingbert 1867 mit Homburg durch eine Bahnlinie verbunden worden war, erfolgte 1877-79 der Anschluss an Saarbrücken . Dies war auch der Anlass zum Bau eines repräsentativeren Bahngebäudes, das fast genau auf der anderen Gleisseite entstand, so dass an der Schienenführung nichts geändert werden musste. Das Gebäude muss 1879 eröffnet worden sein, da aus diesem Jahr Ansichten des Vorgängerbaus erhalten sind, der darauf bereits als "altes Bahnhofsgebäude" bezeichnet wird.